Kulturkampf um die Bauhaustradition: #deutschdenken versus # moderndenken?
This session is part of Battle of Ideas Berlin 2026.
This session will be conducted in German.
Das Bauhaus ist Weltkulturerbe und ein deutscher Kulturexport – und erneut zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen geworden. Das in Sachsen-Anhalt ansässige Bauhaus wurde zum Aushängeschild der öffentlichen Werbekampagne des Landes, die unter dem Motto #moderndenken stand. Als Reaktion darauf – vor allem während des jüngsten Wahlkampfs – prägte die AfD einen Gegenslogan: #deutschdenken. Das Ergebnis war eine Debatte, die weit über die Architektur hinausgeht. Für viele Kritiker der AfD steht der Angriff auf das Bauhaus symbolisch für eine rückwärtsgewandte Gesinnung: Die Nazis verachteten das Bauhaus, so das Argument, und die AfD tue es ebenfalls. Für die AfD verkörpert das Bauhaus hingegen eine Gestaltungsphilosophie, die wichtige lokale Traditionen und die nationale Identität untergräbt.
Man kann über die Wahlkampfstrategie der AfD diskutieren. Doch ob man sie nun gutheißt oder nicht: Sie bietet die Gelegenheit, das Bauhaus wieder in den Blick zu nehmen. Was waren seine innovativen Errungenschaften, und warum war es so erfolgreich? Ist es tatsächlich das Symbol der Moderne, als das es die scheidende Landesregierung von Sachsen-Anhalt darstellt? Auch die Frage, ob der Gegensatz zwischen dem Bauhaus und dem Deutschen überhaupt berechtigt ist, drängt sich auf. Ist das Bauhaus nicht längst Teil der deutschen Architekturtradition? Oder, anders ausgedrückt: Was genau ist am Bauhaus deutsch? Liegt das Deutsche vielleicht gerade in seinem Bestreben, nationale Stilgrenzen zu überwinden?
Besteht bei der Würdigung des Bauhauses und seiner Hervorhebung als Beispiel für Modernität nicht auch die Gefahr der Romantisierung? Wäre das nicht gerade das Gegenteil jenes Strebens, mit der Vergangenheit zu brechen, das die Moderne kennzeichnete? Ein Jahrhundert nach dem Aufkommen der Bewegung des „Neuen Bauens“ – und angesichts des bevorstehenden Jubiläums der berühmten modernistischen Weißenhofsiedlung im Jahr 2027 – stellt sich eine unbequeme Frage: Warum hat die moderne Architektur trotz ihrer technischen Errungenschaften so oft städtische Räume geschaffen, in denen sich die Menschen nicht zu Hause fühlen? Und wäre eine staatlich verordnete Rückkehr zu traditionellen Bauweisen tatsächlich eine Lösung – oder würde sie lediglich das nächste Dogma hervorbringen?
Culture war over the Bauhaus: #moderndenken versus #deutschdenken
Bauhaus is a World Heritage site and a German cultural export, and once again has become the subject of political contention. Based in Saxony-Anhalt, the Bauhaus became the face of the state’s public advertising campaign, built around the motto #moderndenken (“thinking in terms of the modern”). In response, and prominent during the recent election campaign, AfD coined a counter-slogan, #deutschdenken (“thinking in terms of the German”). The result has been to ignite a debate that extends far beyond architecture. For many AfD critics, attacking the Bauhaus is emblematic of a backward-looking orientation: the Nazis disliked the Bauhaus, the argument went, and so does the AfD. For the AfD, the Bauhaus exhibits a design philosophy that erodes important local traditions and national identity.
We can debate the AfD’s choice of campaign. But, for better or worse, it provides an opportunity to look afresh at the Bauhaus itself: What were its innovative achievements, and why was it so successful? Is it really the symbol of modernity that the outgoing government of Saxony-Anhalt wanted it to be? Then there is the question of whether the opposition between the Bauhaus and the German is legitimate in the first place. Is the Bauhaus not, after all, now part of Germany’s architectural tradition? Or, to put it differently: What exactly is German about the Bauhaus? Is it perhaps precisely its ambition to transcend national stylistic boundaries?
In embracing the Bauhaus and upholding it as an example of modernity, is there a risk of simply romanticising it – surely the opposite of the modernizing desire to break with the past? A century after the emergence of the “New Building” (Neues Bauen) movement—and with the 2027 anniversary of the famous modernist Weissenhof Estate approaching—an uncomfortable question arises: despite its technical achievements, why has modern architecture so often created urban spaces in which people do not feel at home? And anyway, would a state-mandated return to traditional building practices truly be the answer—or merely the next dogma?

